Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen

Begriffserklärung & Behandlungsansätze

Zähne stehen nicht bei jedem Menschen von Natur aus gerade. Manchmal fehlt Platz im Kiefer, einzelne Zähne stehen gedreht oder verschoben oder Ober- und Unterkiefer passen beim Zubeißen nicht optimal zusammen. Solche Zahn- und Kieferfehlstellungen können lediglich die Zahnstellung betreffen, aber auch den gesamten Biss und die Lage der Kiefer zueinander beeinflussen.

Nicht jede Abweichung muss behandelt werden. Entscheidend ist, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist, ob sie die Funktion beeinträchtigt und welche Auswirkungen auf Zähne, Zahnfleisch, Kiefergelenke oder die weitere Entwicklung zu erwarten sind.

Gerade bei Kindern spielt außerdem der richtige Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Bei Erwachsenen wiederum können Fehlstellungen grundsätzlich auch dann noch korrigiert werden, wenn sie bereits seit vielen Jahren bestehen.

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Zahn- und Kieferfehlstellungen es gibt, woran man sie erkennt und welche Behandlungsmöglichkeiten heute zur Verfügung stehen.

Einen Überblick über unsere Behandlungsmöglichkeiten und moderne kieferorthopädische Verfahren finden Sie auf unserer Seite Kieferorthopäde München.

Unsicher, ob eine Fehlstellung vorliegt?
Bei einer kieferorthopädischen Untersuchung können wir Zahnstellung, Biss
und Kieferentwicklung genau beurteilen und klären, ob und wann eine Behandlung sinnvoll ist.

Inhalte auf dieser Seite

Was sind Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen?

Von einer Zahnfehlstellung spricht man, wenn ein oder mehrere Zähne von ihrer funktionell günstigen Position im Zahnbogen abweichen. Zähne können beispielsweise gedreht, gekippt, zu weit vorne oder hinten positioniert sein. Auch ein Engstand oder größere Zahnlücken gehören dazu.

Eine Kieferfehlstellung betrifft dagegen stärker die Lage, Form oder Größenrelation von Ober- und Unterkiefer. Ist beispielsweise der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer deutlich zurückliegend oder vorverlagert, verändert sich dadurch häufig auch der Biss.

In der Praxis treten beide Formen oft gemeinsam auf. Die sichtbare Position der Zähne ist deshalb nur ein Teil der kieferorthopädischen Beurteilung.

Entscheidend ist die Frage:

Wie passen Zähne, Oberkiefer und Unterkiefer beim Zubeißen zusammen?

Dieses Zusammenspiel wird als Okklusion beziehungsweise Biss bezeichnet.

Gut zu wissen

Gerade Zähne bedeuten nicht automatisch einen funktionell optimalen Biss. Auch bei optisch weitgehend geraden Zahnreihen können Fehlkontakte oder eine ungünstige Kieferrelation bestehen. Deshalb beurteilt eine kieferorthopädische Untersuchung nicht nur die sichtbaren Frontzähne, sondern immer das gesamte Kausystem.

Unterschied zwischen Zahnfehlstellung und Kieferfehlstellung

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich daraus unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten ergeben können.

Bei einer Zahnfehlstellung liegt das Problem überwiegend innerhalb des Zahnbogens. Ein typisches Beispiel ist ein gedrehter Schneidezahn oder ein Eckzahn, für den nicht ausreichend Platz vorhanden ist.

Bei einer Kieferfehlstellung liegt die Ursache stärker in der Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer. Ein Kiefer kann beispielsweise zu schmal, zu weit vorne oder zu weit hinten entwickelt sein.

Ein Überbiss kann deshalb unterschiedliche Ursachen haben: Bei einem Patienten stehen hauptsächlich die oberen Frontzähne zu weit nach vorne. Bei einem anderen liegt der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zurück.

Von außen kann beides ähnlich aussehen – kieferorthopädisch handelt es sich jedoch nicht zwangsläufig um dasselbe Problem.

Genau deshalb lässt sich die passende Behandlung nicht zuverlässig anhand eines Fotos oder eines einzelnen sichtbaren Merkmals bestimmen.

Wie entstehen Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Die Entstehung einer Fehlstellung lässt sich selten auf einen einzigen Auslöser zurückführen. Häufig wirken genetische Voraussetzungen, Wachstum und äußere Einflüsse zusammen.

 

Vererbung und Wachstum

Kieferform, Zahngröße und bestimmte Wachstumsmuster werden teilweise genetisch beeinflusst. Sind beispielsweise die Zähne im Verhältnis zum vorhandenen Kieferbogen relativ groß, kann ein Engstand entstehen.

Auch die Entwicklung von Ober- und Unterkiefer kann unterschiedlich verlaufen. Dadurch können unter anderem ein ausgeprägter Überbiss, Unterbiss oder Kreuzbiss entstehen.

Daumenlutschen und Schnuller

Langes und intensives Daumenlutschen oder ein über längere Zeit verwendeter Schnuller können die Entwicklung von Zähnen und Kiefer beeinflussen.

Je nach Dauer und Intensität können sich beispielsweise die Frontzähne nach vorne bewegen oder ein offener Biss entwickeln.

Nicht jede frühkindliche Gewohnheit führt automatisch zu einer bleibenden Fehlstellung. Entscheidend ist vor allem, wie lange sie bestehen bleibt und in welcher Entwicklungsphase sie auftritt.

Mundatmung und Zungenlage

Auch Lippen, Wangen und Zunge beeinflussen die Entwicklung des Gebisses.
Eine dauerhaft offene Mundhaltung, überwiegende Mundatmung oder eine ungünstige Zungenposition können mit Veränderungen der Zahn- und Kieferentwicklung verbunden sein.

Bestehen solche funktionellen Auffälligkeiten, kann neben der kieferorthopädischen Behandlung je nach Ursache auch eine interdisziplinäre Abklärung sinnvoll sein.

Platzmangel im Kiefer

Wenn im Zahnbogen nicht genügend Raum für alle bleibenden Zähne vorhanden ist, können Zähne gedreht oder versetzt durchbrechen.

Besonders häufig wird dies während des Zahnwechsels sichtbar, wenn Schneide- und Eckzähne ihren Platz im Zahnbogen finden müssen.

Vorzeitiger Zahnverlust

Geht ein Milchzahn deutlich zu früh verloren, können benachbarte Zähne in die entstandene Lücke wandern. Dadurch kann später Platz für den nachfolgenden bleibenden Zahn fehlen.

Auch bei Erwachsenen kann Zahnverlust langfristig Veränderungen der Zahnstellung begünstigen, wenn entstandene Lücken nicht versorgt werden.

Welche Arten von Zahn- und Kieferfehlstellungen gibt es?

Fehlstellungen können die Position einzelner Zähne, einen gesamten Zahnbogen oder die Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer betreffen.

Die folgenden Fehlstellungen gehören zu den häufigsten Formen. Wählen Sie eine Fehlstellung aus, um mehr über typische Merkmale, mögliche Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu erfahren.

Woran erkennt man Zahn- und Kieferfehlstellungen?

Viele Fehlstellungen fallen zuerst durch das Aussehen der Zähne auf. Gedrehte Frontzähne, Engstände, große Lücken oder weit vorstehende Schneidezähne sind vergleichsweise leicht zu erkennen.

Andere Veränderungen werden erst beim Zubeißen sichtbar.

Hinweise können beispielsweise sein:

  • Zähne stehen deutlich gedreht oder übereinander
  • Ober- und Unterkiefer treffen seitlich nicht richtig aufeinander
  • die oberen Frontzähne stehen weit vor den unteren
  • die unteren Frontzähne stehen vor den oberen
  • Front- oder Seitenzähne haben beim Zubeißen keinen Kontakt
  • einzelne Zähne brechen außerhalb der Zahnreihe durch
  • Kauen oder Abbeißen fällt schwer
  • bestimmte Bereiche lassen sich wegen enger Zahnstellung schlecht reinigen

 

Bei Kindern können zusätzlich Auffälligkeiten wie eine dauerhaft offene Mundhaltung, anhaltendes Daumenlutschen, Schwierigkeiten beim Abbeißen oder ungewöhnliche Zahnwechselverläufe Anlass für eine Kontrolle sein.

Treten Beschwerden wie Kieferknacken, Schmerzen beim Kauen, Verspannungen der Kaumuskulatur oder eine eingeschränkte Mundöffnung auf, kann auch eine Funktionsstörung des Kausystems dahinterstecken. Eine mögliche Ursache solcher Beschwerden ist eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Da ähnliche Symptome jedoch viele verschiedene Auslöser haben können, ist eine gezielte Untersuchung wichtig.

Gut zu wissen

Ob eine Fehlstellung behandlungsbedürftig ist, lässt sich nicht allein daran erkennen, wie schief die Zähne aussehen. Biss, Kieferrelation, Zahnwurzeln, Zahnhalteapparat, Funktion und – bei Kindern – das verbleibende Wachstum gehören zur Beurteilung dazu.

Welche Folgen können unbehandelte Zahnfehlstellungen haben?

Nicht jede unbehandelte Zahnfehlstellung führt später zu Problemen. Die möglichen Folgen hängen stark von Art und Ausprägung der Fehlstellung ab.

Bei einem ausgeprägten Engstand kann beispielsweise die Reinigung zwischen den Zähnen erschwert sein. Bestimmte Fehlkontakte können einzelne Zähne ungünstig belasten. Stark vorstehende Frontzähne können zudem einem höheren Verletzungsrisiko ausgesetzt sein.

Je nach Befund können Fehlstellungen Einfluss haben auf:

Kauen und Abbeißen
Wenn Zähne nicht günstig aufeinandertreffen, können bestimmte Nahrungsmittel schwieriger abzubeißen oder zu kauen sein.

Mundhygiene
Stark überlappende oder eng stehende Zähne können schwerer zu reinigen sein.

Zahnfleisch und Zahnhalteapparat
Ungünstige Zahnpositionen oder Belastungsverhältnisse können bei bestimmten Patienten die langfristige Mundgesundheit beeinflussen.

Zahnsubstanz
Unregelmäßige Zahnkontakte können zu einer ungleichmäßigen Belastung und bei entsprechenden Voraussetzungen zu verstärktem Abrieb beitragen.

Kieferfunktion
Bei funktionellen Beschwerden muss untersucht werden, welche Rolle Biss, Muskulatur und Kiefergelenke spielen. Ein einfacher Zusammenhang „Fehlstellung verursacht CMD“ lässt sich nicht pauschal herstellen.

Hinzu kommt für viele Menschen die ästhetische Wahrnehmung. Sichtbare Zahnfehlstellungen können das eigene Lächeln und Wohlbefinden beeinflussen – auch das kann ein legitimer Grund sein, sich über Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen.

Wann sollte eine Zahnfehlstellung behandelt werden?

Es gibt kein bestimmtes Alter, in dem jede kieferorthopädische Behandlung beginnen muss. Der richtige Zeitpunkt richtet sich nach Art der Fehlstellung, Gebissentwicklung, Wachstum und Behandlungsziel.

Besonders bei Kindern und Jugendlichen spielt das Wachstum eine wichtige Rolle. Es kann bei bestimmten Kieferfehlstellungen gezielt in die Behandlung einbezogen werden. Aber auch nach Abschluss des Wachstums lassen sich viele Fehlstellungen noch erfolgreich korrigieren.

Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Kindern

Mädchen im Wechselgebiss mit sichtbaren Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Kindern.

Im Kindesalter befinden sich Kiefer und Gebiss noch mitten in der Entwicklung. Das bietet bei bestimmten Fehlstellungen die Möglichkeit, vorhandenes Wachstum für die Behandlung zu nutzen und die weitere Kieferentwicklung günstig zu begleiten.

Eine frühe Kontrolle bedeutet dabei nicht automatisch eine frühe Zahnspange. Manche Fehlstellungen sollten bereits im Kindesalter behandelt werden, bei anderen ist es sinnvoller, die weitere Entwicklung oder den Zahnwechsel zunächst zu beobachten. Ziel ist es, den individuell richtigen Zeitpunkt nicht zu verpassen.

→ Mehr über Kieferorthopädie für Kinder

Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Jugendlichen

Im Jugendalter sind viele bleibende Zähne bereits durchgebrochen, gleichzeitig ist häufig noch Wachstum vorhanden. Dadurch bestehen besonders gute Voraussetzungen, Zahnstellung und – je nach Entwicklungsstand – auch die Kieferrelation zu beeinflussen.

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt vom Befund ab. Neben klassischen festen Zahnspangen können bei geeigneten Fehlstellungen beispielsweise auch transparente Aligner oder andere unauffällige Behandlungsmöglichkeiten infrage kommen.

→ Mehr über Kieferorthopädie für Jugendliche

Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Erwachsenen

Lächelnde Frau mit geraden Zähnen nach einer Zahnkorrektur im Erwachsenenalter.

Auch nach Abschluss des Wachstums können schiefe Zähne, Engstände, Lücken und viele Bissfehlstellungen kieferorthopädisch behandelt werden. Für Zahnbewegungen gibt es grundsätzlich keine feste obere Altersgrenze.

Anders als bei Kindern und Jugendlichen kann das natürliche Kieferwachstum bei Erwachsenen jedoch nicht mehr für die Behandlung genutzt werden. Deshalb sind bei ausgeprägten skelettalen Kieferfehlstellungen teilweise andere Behandlungskonzepte notwendig. Welche Möglichkeiten bestehen, hängt unter anderem von der Fehlstellung, dem Zahnhalteapparat und der individuellen Ausgangssituation ab.

→ Mehr über Kieferorthopädie für Erwachsene

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